Wie ich meine Hunde heute füttere – und warum der Weg dorthin nicht geradlinig war
Als Saphi als mein erster Hund bei mir einzog, wollte ich natürlich alles richtig machen. Gleichzeitig war ich beim Thema Fütterung ziemlich unsicher. Also machte ich zunächst das, was vermutlich viele Hundehalter tun: Ich übernahm das Trockenfutter, das sie von der Züchterin kannte.
Eine Zeit lang funktionierte das auch. Irgendwann begann Saphi jedoch, das Futter immer häufiger stehen zu lassen.
Der damalige Rat der Züchterin und der Tierärztin war klar: Futter hinstellen, nach kurzer Zeit wieder wegnehmen und zur nächsten Mahlzeit erneut anbieten. Ein gesunder Hund werde vor einem vollen Napf schließlich nicht verhungern.
Bei Saphi funktionierte das allerdings nicht.
Sie fraß nicht irgendwann aus Hunger, sondern nahm immer weiter ab. Irgendwann war der Punkt erreicht, an dem auch die Tierärztin sagte: So kann es nicht weitergehen. Wir mussten eine andere Lösung finden.
Immer wieder ein neues Futter – und immer wieder dasselbe Problem
Danach begann eine längere Suche nach einem Trockenfutter, das Saphi dauerhaft akzeptierte.
Das Muster war eigentlich immer ähnlich: Ein neues Futter wurde zunächst begeistert oder zumindest zuverlässig gefressen. Nach einigen Wochen ließ das Interesse nach, bis sie irgendwann wieder kaum noch fraß.
Nassfutter dagegen mochte sie sehr gerne. Hier entstand allerdings das nächste Problem: Von vielen Sorten bekam sie sehr häufigen, weichen bis matschigen Kot.
Ich hatte also scheinbar die Wahl zwischen einem Futter, das sie nicht dauerhaft fressen wollte, und einem Futter, das ihre Verdauung nicht gut vertrug.
Damals begann ich, mich intensiver mit Hundeernährung zu beschäftigen.
Der Wechsel zu BARF
Je mehr ich las, desto interessanter fand ich das Thema BARF. Schließlich stellte ich Saphi auf eine selbst zusammengestellte Rohfütterung um.
Einen professionell berechneten Futterplan hatte ich damals nicht. Ich stellte die Ration anhand frei zugänglicher Informationen aus dem Internet selbst zusammen.
Und zunächst schien die Lösung perfekt zu sein.
Saphi fraß ihre Mahlzeiten dauerhaft gerne, ihre Verdauung war deutlich besser und ich hatte endlich das Gefühl, eine Fütterungsform gefunden zu haben, die zu ihr passte.
Rückblickend war das allerdings eine meiner wichtigsten Lektionen:
Dass ein Hund eine Ration gerne frisst und äußerlich gut damit zurechtkommt, bedeutet nicht automatisch, dass diese Ration langfristig bedarfsdeckend ist.
Damals wusste ich schlicht noch nicht, wie komplex eine wirklich ausgewogene selbst zusammengestellte Ration sein kann.
Ein Blutbild brachte bei Saphi den nächsten Denkanstoß.
Bei Saphi wurde im Rahmen einer tierärztlichen Behandlung routinemäßig Blut untersucht.
Dabei fiel ein deutlicher Vitaminmangel auf.
Das war für mich ein wichtiger Moment.
Denn Saphi fraß ihre Ration gerne, wirkte fit und hatte äußerlich keine offensichtlichen Anzeichen dafür, dass ihre Versorgung nicht optimal sein könnte.
Genau hier wurde mir noch einmal sehr deutlich:
Eine Ration kann abwechslungsreich, frisch und gut gemeint sein – und trotzdem einzelne Nährstoffe nicht ausreichend liefern.
Gemeinsam mit der Tieräztin glichen wir den Mangel aus. Anschließend ließ ich Saphis Ration von einem professionellen Ernährungsberater neu berechnen und stellte auf einen bedarfsdeckenden BARF-Plan um.
Dann kam Mable dazu

Einige Jahre später zog Mabel bei uns ein.
Auch bei ihr wurde die Fütterung irgendwann zum Thema. Gegen Ende der Wachstumsphase fraß sie ihr Fertigfutter zunehmend schlechter. Da Saphi mit ihrer BARF-Ration gut zurechtkam, stellte ich schließlich auch Mabel auf Rohfütterung um und ließ auch für sie einen individuell berechneten BARF-Plan erstellen.
Eine Zeit lang schien auch das problemlos zu funktionieren.
Dann begannen bei Mable immer wieder Magen-Darm-Beschwerden.
Wir probierten verschiedene Dinge aus, waren mehrfach beim Tierarzt und bekamen die Symptome auch immer wieder in den Griff. Doch nach einigen Wochen kamen die Beschwerden zurück – teilweise stärker als zuvor.
Es entstand ein typischer Kreislauf:
Beschwerden → Behandlung → Besserung → einige Wochen Ruhe → erneute Beschwerden.
Rückblickend lässt sich nicht sicher sagen, ob die damalige Fütterung allein dafür verantwortlich war. Klar war aber: Mables Verdauung war dauerhaft nicht stabil.
Etwa zu dieser Zeit beschäftigte ich mich bereits deutlich intensiver mit Hundeernährung und begann schließlich meine Ausbildung zur Ernährungsberaterin.
Damit änderte sich mein Blick auf Fütterung grundlegend.
Weg von der Fütterungsphilosophie – hin zum einzelnen Hund
Während meiner Ausbildung wurde mir immer klarer, dass es nicht darum geht, die eine „beste“ Fütterungsform zu finden.
Nicht BARF ist grundsätzlich besser.
Nicht Trockenfutter ist grundsätzlich schlechter.
Nicht selbst gekocht bedeutet automatisch hochwertiger.
Entscheidend ist vielmehr:
Passt die Ration zu diesem Hund?
Deckt sie seinen Bedarf?
Verträgt er sie?
Passt sie zu seinem Alter, seinem Gesundheitszustand und seiner Lebenssituation?
Und lässt sie sich im Alltag dauerhaft umsetzen?
Für meine beiden Hunde führte dieser neue Blick irgendwann zu individuell berechneten Kochrationen - allerdings aus unterschiedlichen Gründen.
Bei Mabel zuerst: Ursachen systematisch eingrenzen
Bei Mabel war aufgrund ihrer wiederkehrenden Magen-Darm-Probleme zunächst eine systematische Vorgehensweise notwendig.
Bevor wir einfach wieder das nächste Futter ausprobierten oder den Barf-Plan änderten, führten wir eine konsequente Eliminationsdiät durch.
Ziel war es, möglichst viele Einflussfaktoren herauszunehmen und herauszufinden, welche Komponenten sie zuverlässig verträgt.
Erst auf dieser Grundlage wurde anschließend ihre heutige Ration aufgebaut.
Das war ein entscheidender Unterschied zu früher.
Nicht:
„Probieren wir mal dieses Futter.“
Sondern:
„Wir verändern gezielt eine Sache und beobachten nachvollziehbar, was passiert.“
Bei Saphi spielten inzwischen andere Faktoren eine Rolle. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Alters und weil ich den hygienischen Aufwand der Rohfütterung zunehmend reduzieren wollte, entschied ich mich auch bei ihr für eine individuell berechnete Kochration.
Ihre Ration wurde deshalb nicht einfach nur „ausgewogen“, sondern gezielt an ihre aktuelle Lebensphase angepasst.
Im Seniorenalter verändern sich unter anderem Energiebedarf, Muskelstoffwechsel, Verdauung und teilweise auch die Anforderungen an einzelne Nährstoffe.
Deshalb bekommt Saphi heute eine individuell berechnete Kochration, die zu ihrer Verträglichkeit und ihrem inzwischen hohen Alter passt.
So füttere ich meine Hunde heute
Heute bekommen beide Hunde selbst gekochte Rationen.
Das funktioniert für uns im Alltag sehr gut - und beide kommen damit zuverlässig zurecht.
Das bedeutet aber nicht, dass sie dasselbe fressen oder denselben Plan haben.
Beide Rationen bestehen grundsätzlich aus:
einer gut verträglichen Proteinquelle
einer passenden Kohlenhydratquelle
individuell ausgewählten Ballaststoffkomponenten
einer bedarfsgerechten Mineralstoffversorgung
einer angepassten Fett- und Omega-3-Zufuhr
Die Mengen und einzelnen Bestandteile unterscheiden sich jedoch, weil auch die beiden Hunde unterschiedliche Bedürfnisse haben.
Genau deshalb veröffentliche ich hier bewusst keine Grammangaben als „Rezept“.
Eine vollständige Ration sollte immer zum individuellen Hund berechnet werden und nicht einfach von einem anderen Hund übernommen werden.
Was sich seitdem verändert hat
Seit der Umstellung auf die individuell berechneten Kochrationen ist die Verdauung beider Hunde deutlich stabiler.
Mable hat heute eine konstante Kotqualität und die wiederkehrenden Magen-Darm-Phasen, die uns zuvor lange begleitet haben, gehören inzwischen weitgehend der Vergangenheit an.
Auch Saphi kommt mit ihrer Ration sehr gut zurecht.
Die kontrollierten Blutwerte sind inzwischen unauffällig, beide Hunde fressen zuverlässig, haben ein glänzendes Fell und sind fit und vital – bei Saphi natürlich ihrem Alter entsprechend.
Das bedeutet nicht, dass Kochen grundsätzlich die beste Fütterungsform für jeden Hund ist.
Es bedeutet lediglich:
Für diese beiden Hunde und für meinen Alltag ist es aktuell die passende Lösung.
Und genau das ist für mich heute der wichtigste Maßstab.
Was ich aus unserem Weg gelernt habe
Wenn ich heute auf die letzten Jahre zurückblicke, würde ich fünf Dinge besonders hervorheben:
1. Gute Akzeptanz bedeutet nicht automatisch gute Versorgung.
Ein Hund kann ein Futter lieben und trotzdem langfristig nicht optimal versorgt sein.
2. „Hochwertig“ ist kein objektiver Maßstab.
Entscheidend ist nicht, wie gut ein Futter klingt, sondern ob es zum individuellen Hund passt.
3. Selbst zusammengestellte Rationen sollten fachlich überprüft werden.
Gerade bei BARF und Kochrationen können kleine Fehler langfristig relevant werden.
4. Wiederkehrende Verdauungsprobleme brauchen ein systematisches Vorgehen.
Ständiges Wechseln von Futtersorten macht es oft schwieriger, Zusammenhänge überhaupt zu erkennen.
5. Es gibt nicht die eine richtige Fütterungsform für alle Hunde.
Was für einen Hund hervorragend funktioniert, kann für den nächsten ungeeignet sein.
Heute arbeite ich genau deshalb individuell.
Mein eigener Weg war nicht geradlinig.
Ich habe vieles ausprobiert, Fehler gemacht, dazugelernt und meine Entscheidungen mit zunehmendem Wissen immer wieder hinterfragt.
Genau diese Erfahrung prägt heute auch meine Arbeit in der Ernährungsberatung.
Ich möchte niemandem eine bestimmte Fütterungsform verkaufen.
Mir geht es darum herauszufinden:
Was braucht dieser Hund – und welche Lösung funktioniert für ihn und seinen Menschen langfristig?
Vielleicht erkennst du dich in einem Teil unserer Geschichte wieder.
Du bist unsicher, ob die aktuelle Fütterung deines Hundes wirklich zu ihm passt?
Dann kann eine Rationsüberprüfung helfen, mögliche Schwachstellen sichtbar zu machen und die Versorgung fachlich einzuordnen.
Oder wir schauen gemeinsam, welche Fütterungsform und welcher individuelle Plan zu deinem Hund und eurem Alltag passen.
